Das Practitioner Elixir – Selbstfürsorge für Praktizierende

Ein Gespräch mit Brita über Selbstfürsorge, Präsenz und eine Praxis, die ein Leben tragen kann.

Viele Massagepraktizierende kennen diese Situation:
Der Tag ist lang, die Energie sinkt – und doch wartet noch eine Sitzung.

Wie bleiben wir in solchen Momenten präsent?  Wie sorgen wir für uns selbst, während wir für andere da sind?

In diesem Gespräch spricht Brita mit Lili über ihren Workshop „Practitioner Elixir“ und darüber, wie Praktizierende ihre eigene Energie pflegen können – durch Natur, Gemeinschaft und einfache Formen der Selbstreflexion.

Zurück zur Natur

Lili:
Brita, du wirst diesen Sommer beim Esalen Massage Global Village einen Workshop geben. Er heißt Practitioner Elixir. Kannst du uns erzählen, worum es dabei geht?

Brita:
Danke, Lili. Und zuerst einmal: Vielen Dank dafür, dass ihr dieses Treffen organisiert habt. Wir sprechen seit fast dreissig Jahren darüber, dass es eigentlich ein globales Treffen für Esalen-Praktizierende geben müsste. Dass es jetzt wirklich stattfindet, freut mich sehr.

Ich freue mich auch über den Ort. Er erinnert mich in gewisser Weise an Esalen selbst. Dort haben wir die Berge und das Meer. Hier werden wir die Berge haben, frische Luft und klares Wasser. Natur spielt an beiden Orten eine große Rolle.

Für mich ist das ein wichtiger Teil des „Practitioner Elixir“. Die Frage lautet: Wie kümmern wir uns um uns selbst?

Eine der einfachsten Antworten ist: indem wir zur Natur zurückkehren. Wir lassen unseren Blick weich werden. Wir schauen nach draußen. Vielleicht sehen wir eine Blume. Vielleicht fliegt ein Vogel am Fenster vorbei. Schon dieser kleine Moment kann unsere Perspektive erneuern.

Ich hoffe sehr, dass dieses Treffen uns allen einen neuen Blick schenkt – individuell und auch als globale Gemeinschaft der Esalen-Massage.

Wenn die Energie niedrig ist

Lili:
Es gibt eine Frage, die ich in Kursen sehr oft höre. Was mache ich, wenn meine Energie niedrig ist – aber ich weiss, dass ich gleich eine Massage geben muss? Oder wenn ich die vierte Massage an einem Tag gebe?

Brita:
Ja, das kennen wir alle.

Es gibt diesen Moment, in dem die Hände plötzlich nicht mehr ganz so sensibel sind. Manchmal beginnen sie sogar ein wenig zu schmerzen. Obwohl wir bei der Esalen-Massage gar nicht mit viel Druck arbeiten, können die Hände am Ende des Tages müde sein.

Und nicht nur die Hände – auch energetisch. Wir begegnen an einem Tag vielen verschiedenen Menschen. Besonders wenn jeder Klient neu ist, müssen wir immer wieder erklären, was passieren wird, wie sie sich entspannen können. Diese Begegnungen kosten Energie.

Und dann stellt sich die Frage: Sollen wir die Sitzung absagen?

Nein. Das ist wichtige Arbeit. Unsere Klienten verlassen sich auf uns. Sie kommen zu uns, weil sie sich besser fühlen möchten.

Also sagen wir nicht ab. Stattdessen fragen wir uns: Was können wir in diesem Moment tun? Genau darum geht es im Workshop.

Vier Ebenen des Practitioner Elixir

Brita:
Ich werde mehrere Ebenen vorstellen.

Die erste Ebene ist eine schnelle Hilfe, die du nutzen kannst, wenn du zehn Minuten Zeit hast, bevor die nächste Massage beginnt. Dann gibt es ein längeres Protokoll, wenn vielleicht zwanzig Minuten Pause möglich sind.

Diese „Elixiere“ wirken auf verschiedenen Ebenen. Zum Beispiel auf der körperlichen Ebene – durch Atmung, Sauerstoff und Flüssigkeit.

Dann auf der energetischen Ebene. Wir lernen, Energie aus der Erde aufzunehmen und sie nach oben zu verbinden. So werden wir zu einem Kanal zwischen Erde und Himmel und müssen nicht alles allein leisten.

Außerdem schauen wir uns an, was wir während der Massage selbst verändern können. Manchmal wird die Arbeit leichter und wirkungsvoller, wenn der Klient stärker einbezogen wird.

Und schließlich sprechen wir über langfristige Lebensgewohnheiten, die Praktizierende gesund und stabil halten.

Eine Arbeit für ein ganzes Leben

Lili:
Brita, darf ich fragen: Wie alt bist du?

Brita:
Ich bin einundachtzig und ein halbes Jahr alt.

Viele der Esalen-Massage-Lehrerinnen und Lehrer sind in einem ähnlichen Alter. Peggy ist älter als ich. Deborah und Vicki sind etwas jünger. Aber wir sind alle deutlich über siebzig. Die meisten von uns praktizieren seit den 1970er-Jahren – also seit etwa fünfzig Jahren. Und wir sind nicht ausgebrannt. Das zeigt, dass diese Arbeit wirklich ein ganzes Leben tragen kann.

Massage kann eine wunderbare erste Karriere sein. Aber sie ist auch eine großartige zweite Karriere. Viele Menschen entdecken sie später im Leben.

Der RAIN-Prozess und Gestalt

Lili:
Du sprichst im Workshop auch über den RAIN-Prozess. Was ist das?

Brita:
RAIN ist eine einfache Methode der Selbstreflexion aus der Meditation. Ich arbeite selbst immer häufiger damit – manchmal auch mit Klienten.

Der Name steht für vier Schritte.

Recognize – erkennen.
Ich bemerke die Situation. Vielleicht habe ich bereits drei Massagen gegeben. Die zweite war schwierig. Jetzt wartet noch eine vierte Sitzung, es ist schon später Nachmittag und ich merke: Ich habe nicht einmal zu Mittag gegessen. Also erkenne ich: Ich bin müde.

Acknowledge – anerkennen.
Dann erkenne ich an, was gerade da ist. „Das ist gerade viel für mich.“ Gleichzeitig spüre ich vielleicht auch meine Verantwortung. Ich möchte für meine Klienten da sein.

Investigate – erforschen.
Der nächste Schritt ist besonders interessant. Es ist keine Analyse wie bei einem Detektiv. Es bedeutet, nach innen zu gehen und zu fragen: Wo genau spüre ich diese Müdigkeit?

Vielleicht sind meine Füße erschöpft. Vielleicht ist mein Magen leer. Vielleicht trägt meine Schulter noch die Spannung eines Klienten aus der vorherigen Sitzung.

Und manchmal geschieht schon durch dieses Bewusstwerden eine Veränderung. Unser Lehrer Fritz Perls hat einmal gesagt:

„Awareness alone produces change.“

Allein die Bewusstheit kann bereits etwas verändern.

Nourish – nähren.
Der letzte Schritt bedeutet Selbstfürsorge. Was kann ich jetzt tun, um mich zu nähren? Vielleicht atme ich tiefer. Vielleicht nehme ich mir einen Moment, um mich selbst zu würdigen. Vielleicht mache ich eine der Übungen aus dem Practitioner Elixir.

Wenn wir uns selbst nähren, treten viele der Probleme automatisch etwas in den Hintergrund.

Lili:
Das erinnert mich sehr an eine Form von Gestalt-Awareness-Practice – ein Moment, in dem ich mit mir selbst in Kontakt gehe und wahrnehme, was gerade wirklich da ist.

Brita:
Ja, genau. Für mich passt das sehr gut zur Gestaltarbeit. Es ist im Grunde ein Moment der ehrlichen Selbstbegegnung.

Zurück zur Einfachheit

Lili:
Praktizierende haben oft sehr hohe Erwartungen an sich selbst. Wie können wir während einer Massage wieder zur Einfachheit zurückfinden?

Brita:
Wir erwarten oft zu viel von uns – und zu wenig vom Klienten.

Die Veränderung muss vom Klienten selbst kommen. Wir schaffen den Raum, bringen Aufmerksamkeit in den Körper. Aber der Klient entscheidet, ob er loslassen möchte.

Manchmal ist das Beste, was wir tun können, zu den Grundlagen zurückzukehren: zu den langen integrierenden Streichungen, zum Rhythmus und zum Fluss.

Viele Praktizierende bemerken sogar etwas Überraschendes: Wenn sie ein wenig müde sind, geben sie manchmal eine bessere Massage. Sie hören auf, alles perfekt machen zu wollen – und werden präsenter.

Eine Massage bewusst beenden

Lili:
Wie können wir eine Massage gut abschließen?

Brita:
Für mich bedeutet das zuerst, einen Moment des Gleichgewichts zu finden.

Oft entsteht eine Pause in der Berührung. Vielleicht eine Hand auf dem Bauch, eine auf der Stirn oder Kontakt an den Füßen.

Dann bleibe ich einen Moment in der Stille. Danach hebe ich meine Hände, schüttle sie kurz aus und trete einen Schritt zurück.

Die Erfahrung gehört jetzt dem Klienten. Oft liegt er einfach noch einige Minuten still da. Und irgendwann sagt er vielleicht: „Wow.“

Dann weiß ich: Die Massage ist vollständig.

Geschichten, die weiterwirken

Die Fragen nach Selbstfürsorge und innerer Arbeit begleiten Brita nicht nur in ihrem Workshop.

Sie tauchen auch in ihrem neuen Buch auf: Steeped – A Big Sur Elixir of Sulfur and Sage.

In diesem Memoir blickt Brita auf ihre frühen Jahre in Big Sur zurück – eine Zeit des Aufbruchs, der Gemeinschaft und der Suche nach einem bewussteren Leben. Es ist eine persönliche Geschichte und zugleich ein Blick auf die Wurzeln einer Bewegung, die bis heute viele Menschen berührt.

Brita wird diesen Sommer in der Schweiz beim Esalen Massage Global Village Gathering ihren Workshop Practitioner Elixir anbieten.

Eine Einladung an Praktizierende aus aller Welt, sich zu treffen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam neue Energie für diese Arbeit zu finden.

Du bist herzlich eingeladen, Brita in der Schweiz zu begegnen und Teil dieses Kreises zu werden.


The Practitioner Elixir

A Conversation with Brita on Self-Care, Presence, and a Practice that Can Last a Lifetime

Many massage practitioners know this moment.

The day is long. Your energy is dropping. And another session is about to begin.

How do we stay present when our own energy is low? How do we care for ourselves while caring for others?

In this conversation, Brita shares the inspiration behind her workshop “Practitioner Elixir” and reflects on how practitioners can sustain their work through awareness, nature, and community.

Returning to Nature

Lili:
Brita, you’re offering a very exciting workshop at the Esalen Massage Global Village this summer. It’s called Practitioner Elixir. What is your workshop about?

Brita:
First of all, thank you so much for organizing this gathering of Esalen practitioners. We’ve been talking about something like this for almost thirty years, and we’ve never really had a global summit. So that alone is very exciting to me.

I’m also very excited about the setting. It reminds me of the elements that are present at Esalen Institute. There we have the mountains and the sea. Here we will have the mountains, wonderful air, and sparkling water.

Nature is important in both places. For me, that is part of the bedrock of the Practitioner Elixir.
How do we take care of ourselves? One of the most important ways is by returning to nature.

Letting our eyes soften.
Letting our gaze look outward.

Maybe we’re looking at a flower. Maybe a bird flies past the office window.

Whatever we see, we refresh our perspective.

My hope is that this gathering will give us all a sense of renewal — both individually and as a global community of Esalen Massage practitioners.

When Your Energy Is Low

Lili:
There’s a question I hear very often in courses. What should I do when my energy is really low, but I know I have to give a massage? Or when I’m giving the fourth massage of the day?

Brita:
Yes. Haven’t we all had that moment?

Suddenly our hands are not as sensitive anymore. Sometimes they even hurt a little, even though we don’t use much pressure in Esalen Massage.

By the end of the day my hands can be tired. And energetically it can also feel like a lot.You meet many different people. Especially when each client is new, you are constantly introducing them to massage — explaining how to relax, offering a few suggestions.

All of those energetic exchanges can be exhausting. And then the question arises: Should you cancel the session? No.

This is meaningful work. Our clients count on us. They come to us because they want to feel better. So we don’t cancel. Instead, we ask: What can we do in those moments?

That is exactly what I will present in the workshop.

Four Levels of the Practitioner Elixir

Brita:
In the workshop I will offer several levels of support.

The first is a quick remedy — something you can do when you have ten minutes before the next session begins.

Then there is a longer protocol, which you might use when you have twenty minutes.

These remedies work on several levels.

First, the physical body — including oxygenation and hydration.

Second, the energetic body. Learning how to gather energy from the earth and connect upward toward the heavens, so that we become a conduit between earth and sky. Then we don’t have to work so hard. We have the support of the whole energetic field.

Third, there are things we can do during the massage itself. Ways of letting the client participate more actively in the session.

And finally, we will talk about lifestyle practices that support us over the long term.

As massage practitioners, we often expect ourselves to be models of health. If we are not taking care of ourselves — resting, breathing, nourishing our bodies — then it becomes difficult to fully support someone else.

A Practice That Can Last a Lifetime

Lili:
Brita, how old are you?

Brita:
I’m eighty-one and a half.

And I’m glad you asked, because the Esalen Massage community really models something important here. Many of us have been practicing massage since the 1970s. Peggy is older than me. Deborah and Vicki are a little younger. But we are all well over seventy.

Most of us have been practicing for about fifty years. And we haven’t burned out. So I think we’re onto something.

Massage can be a wonderful career for young people who want to build a practice and help many people.

But it is also a beautiful second career. Many people discover massage later in life.

RAIN — A Practice Between Meditation and Gestalt

Lili:
You’re also speaking about the RAIN process in your workshop. What is that?

Brita:
RAIN is something that comes from meditation practice. It’s a simple way to reflect on what is happening within ourselves.

RAIN stands for four steps.

Recognize.
Recognize the situation. Maybe I’ve already given three massages. The second one was difficult. Now it’s 4:30 in the afternoon, I forgot to eat lunch, and another session is about to begin. So I recognize: I’m tired.

Acknowledge.
Then I acknowledge it. This is a lot. And yet I also feel a sense of responsibility to my clients. I know I still have something to give.

Investigate.
Then comes investigation. This isn’t like a detective investigating a crime. It means turning inward and asking: Where exactly am I tired?

Maybe my feet are exhausted.
Maybe my stomach is empty.
Maybe my shoulder is still holding tension from a previous client.

And often, simply becoming aware of these things begins to change them.

Our teacher Fritz Perls once said:

“Awareness alone produces change.”

Nourish.
Finally, the last step is nourishment.

How can I nourish myself in this moment? Maybe I take a breath. Maybe I appreciate myself for the work I’ve been doing. Maybe I do one of the elixir exercises.

When we nourish ourselves, the problems often step back a little.

Lili:
It reminds me very much of a kind of Gestalt awareness practice — a moment of turning toward yourself and noticing what is actually present.

Brita:
Exactly. For me it fits very well with Gestalt.

Returning to Simplicity

Lili:
Practitioners often have very high expectations of themselves. How can we return to simplicity during a massage if we feel tired?

Brita:
Often we expect too much of ourselves and not enough of the client.

Our role is to provide the container — to bring awareness to muscles, to invite release.

But the client has to make that shift. If they decide to keep holding tension, we can massage all day and nothing will change.

Sometimes the most helpful thing is simply returning to the basics of Esalen Massage — the long integrating strokes, the rhythm, the breath.

Interestingly, many practitioners discover that when they are a little tired, they sometimes give a better massage. They stop trying to use every technique they know, and they become more present.

Ending a Massage

Lili:
How do you like to end a massage?

Brita:
First I feel that the main areas have been addressed.

Then I come to a place of balance. Often that means a pause in contact. Maybe one hand on the belly and one on the forehead. Or contact at the feet to encourage grounding.

I stay there for a moment in stillness. Then I lift my hands, shake them out, and step back.

The experience now belongs to the client. Often they lie quietly for a few minutes. Nothing happens at first. Then maybe they shift a little — and suddenly they say, “Wow.”

At that point I simply let the experience be theirs. The body knows how to heal itself.

Stories That Continue

Brita’s reflections on self-care and inner work do not only appear in her workshop.

They also appear in her new memoir
“Steeped – A Big Sur Elixir of Sulfur and Sage.”

In this book she reflects on her early years in Big Sur — a time of experimentation, community, and discovery that shaped the early days of the Esalen movement.

Readers who would like to explore these stories more deeply can also join the Esalen Book Club, where books from the Esalen community are read and discussed together.

And perhaps the most beautiful way to continue these conversations is to meet in person.

Brita will offer her workshop Practitioner Elixir at the Esalen Massage Global Village Gathering in Switzerland.

An invitation to practitioners from around the world to come together, share experience, and renew the spirit of this work.

You are warmly invited to meet Brita in Switzerland and join the circle of practitioners.

May your hands remember how to listen.