Wenn der Körper nicht „leisten“ muss
Die Massage in der Seitenlage lädt uns ein, das Tempo zu senken. Sie verändert nicht nur die Position des Körpers, sondern auch die Qualität unserer Aufmerksamkeit. In dieser Haltung wird Berührung oft stiller, genauer, hörender. Der Körper muss sich nicht zeigen – er darf sich zeigen lassen.
Für viele Klientinnen fühlt sich diese Position vertraut an.
Wie ein leises: „Du darfst dich anlehnen.“
Eine vertraute Haltung in Zeiten des Wandels
Wenn wir an Massage in der Seitenlage denken, erscheint vielen zuerst die Arbeit mit schwangeren Frauen. Für diese Zeit des Wandels bietet die Seitenlage einen vertrauten, tragenden Rahmen. Der untere Rücken wird entlastet, das Becken bekommt Raum, und die Hüften dürfen weich werden.
Es ist eine Berührung, die begleitet.
Nicht formt. Nicht korrigiert.
Raum im Brustkorb, Raum im Atem
In der Praxis zeigt sich, dass viele Schwangere Spannungen im mittleren Bereich der Brustwirbelsäule tragen, oft dort, wo der BH sitzt. Der wachsende Bauch drückt gegen das Zwerchfell, der Atem wird flacher, der Rücken hält mit.
In der Seitenlage können wir diesen Bereich gut erreichen und dem Atem wieder Platz geben. Berührung wird hier zu einer Einladung, sich von innen her zu weiten.
Herzwärts streichen – ohne Eile, im eigenen Rhythmus
Auch die Massage von Füssen und Unterschenkeln entfaltet in der Seitenlage eine besondere Qualität. Die Arbeit vom Fussgelenk herzwärts Richtung Knie unterstützt den Rückfluss und schenkt ein Gefühl von Leichtigkeit.
Mit vollen, weichen Händen entsteht ein ruhiger Rhythmus, der Halt gibt und gleichzeitig entlastet. Viele Schwangere empfinden diese Berührung als tief nährend, besonders in der späteren Zeit der Schwangerschaft.
Nimm dabei wirklich die vollen, weichen Hände. Stell dir vor, deine Hände sind wie ein angenehmer Stützstrumpf in genau der richtigen Kompressionsklasse. Lass sie langsam und den Unterschenkel dreidimensional umfassend nach oben streichen, setze dann wieder neu am Fussgelenk an und finde so einen wohltuenden, gleichmässigen Rhythmus.
Seitenlage als natürlicher Teil der Esalen® Massage
Was mir an der Seitenlage besonders gefällt: Sie gehört nicht nur in die sogenannten Spezialfälle. Du kannst sie ganz organisch in eine reguläre Esalen Massage einweben.
Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Frau kommt mit Schmerzen über der linken Gesässhälfte. Ich könnte sie zunächst einladen, sich auf den Bauch zu legen und mit langen Streichbewegungen vom Kopf bis zu den Füssen zu beginnen – um das Nervensystem zu beruhigen und Vertrauen aufzubauen.
Und dann, wenn klar wird, wo es ruft, kann die Seitenlage der nächste Schritt sein.
Dort bleiben, wo das Gewebe spricht
Wenn die Klientin sich nach rechts dreht, verändert sich der Zugang sofort. In Seitenlage kannst du den verdichteten Hüftrotatoren mehr Aufmerksamkeit schenken und tiefer arbeiten: im Bereich des Piriformis, des Gluteus medius, des Tensor fasciae latae, rund um den Trochanter major und hinauf in die Lendenfaszie.
So wird die Massage nicht zu einem festen Ablauf, sondern zu einer Antwort. Du beginnst vielleicht in Rücken- oder Bauchlage – und endest dort, wo der Körper und das Bedürfnis der Klientin dich hinführen.
Manchmal reicht dafür sogar nur eine Seite.
Und genau das fühlt sich dann stimmig an. Hab den Mut zur „ungleichen“ Behandlung – wir müssen nicht immer strikt auf Seitengleichheit achten.
Wenn jemand mit Tränen kommt
Ein anderes Feld öffnet sich, wenn jemand sehr emotional in die Massage kommt. Vielleicht war die Woche schwer. Vielleicht bricht gleich zu Beginn etwas auf. In solchen Momenten kann die Seitenlage wie ein schützender Rahmen wirken – eingehüllt, gestützt, weniger ausgestellt.
Natürlich immer in Absprache. Ist Berührung jetzt überhaupt willkommen?
Wenn die Klientin bereit ist, darf es sehr einfach werden: halten, stützen, lange ruhige Streichungen über den Körper. Und immer wieder in Kontakt bleiben – über einen weichen Blick, eine ruhige Stimme, ein kurzes Nachfragen, wie es gerade ist.
Berührung wird dann nicht Technik.
Sie wird Begleitung.
Video: Seitenlage so lagern, dass Berührung fliessen kann
Im Video unter diesem Beitrag zeige ich dir, wie du eine Klientin in Seitenlage lagern kannst, sodass lange Streichungen von Kopf bis Fuss möglich sind – ohne dass Tücher dich behindern.
Schau es dir gern an und probiere es in deiner Praxis aus.
Manchmal verändert eine kleine Anpassung der Lagerung die ganze Qualität der Berührung.
Hinweis:
Dieser Blogbeitrag ist Teil der aktuellen Weiterbildung im Februar, mit Ingrid May und Lili Imboden. Informationen zu diesem Kurs findest du hier → Esalen® Massage in Seitenlage.
Esalen® Massage in the Side-Lying Position
When the body no longer has to “perform”
Side-lying massage invites us to slow down. It changes not only the position of the body, but also the quality of our attention. In this posture, touch often becomes quieter, more precise, more listening. The body does not have to show itself—it is allowed to be met.
For many clients, this position feels familiar.
Like a soft inner whisper: You are allowed to rest.
A familiar posture in times of change
When we think of side-lying massage, many of us first think of working with pregnant women. In times of change, this position offers a supportive and holding frame. The lower back is relieved, the pelvis has more space, and the hips are free to soften.
It is a kind of touch that accompanies the body.
Not shaping. Not correcting.
Space in the chest, space for breath
In practice, many pregnant women carry tension in the mid-thoracic spine, often around the area where a bra sits. As the belly grows, it presses into the diaphragm. Breathing becomes shallower, and the back responds by holding.
In the side-lying position, this area becomes accessible. We can offer space again—for breath and for ease. Here, touch becomes an invitation to widen gently from within.
Working upward — without hurry, in a steady rhythm
Massage of the feet and lower legs takes on a special quality in side-lying. Working slowly upward from the ankles toward the knees supports return flow and often brings a sense of lightness.
Using full, soft hands, a calm rhythm develops — one that offers support while easing tension. Many pregnant women experience this touch as deeply nourishing, especially later in pregnancy.
Really use the whole of your hands. Imagine them like a comfortable support stocking with just the right amount of compression. Let your hands move slowly upward, holding the lower leg three-dimensionally, then return to the ankle and begin again. In this way, a steady, soothing rhythm can emerge.
Side-lying as a natural part of Esalen Massage
What I especially appreciate about the side-lying position is that it does not belong only to special cases. It can be woven naturally into a regular Esalen Massage session.
A practical example: A woman comes in with pain in the left side of her pelvis and gluteal area. You might begin by inviting her to lie prone, starting with long, connecting strokes from head to feet—allowing the nervous system to settle and trust to build.
And then, once it becomes clear where the tissue is calling for attention, side-lying can be the next step.
Staying where the tissue speaks
When the client turns onto her right side, the access changes immediately. In side-lying, you can give more focused attention to dense hip rotators and work more deeply—in the area of the piriformis, gluteus medius, tensor fasciae latae, around the greater trochanter, and up into the lumbar fascia.
The massage no longer follows a fixed sequence. It becomes a response. You may begin in supine or prone—and end where the body and the client’s expressed need lead you.
Sometimes, working on just one side is enough.
And that, too, can feel completely right. Have the courage to allow “uneven” treatment—symmetry is not always required.
When someone arrives in tears
Another field opens when someone comes into the session emotionally tender. Perhaps the week has been heavy. Perhaps something breaks open right at the beginning. In these moments, the side-lying position can offer a protective frame—wrapped, supported, less exposed.
Always in dialogue, of course. Is touch welcome right now?
If the client is ready, the work can become very simple: holding, supporting, long flowing and slow strokes over the body. Staying in contact—through a soft gaze, a calm voice, a gentle check-in about how things are landing.
Touch then is no longer technique.
It becomes accompaniment.
Video: How to support side-lying so touch can flow
In the video in the german post, you will see how to position a client in side-lying so that long strokes from head to feet are possible—without being interrupted by sheets or towels.
You are warmly invited to watch and try this in your own practice.
Sometimes a small adjustment in positioning changes the entire quality of touch.
Note: The video is spoken in Swiss German. German and english subtitles are available for easy viewing.
For those interested in deepening their practice:
Esalen® Massage training is offered in Switzerland. For participants who do not speak German, the teaching can be followed with English translation.
07.01.2026/Lili Imboden