“The fastest way to still the mind is to move the body.”
Heute, am 4. Februar 2026, hätte Gabrielle Roth ihren 85. Geburtstag gefeiert. Als Begründerin der Five Rhythms hat sie einen Weg geöffnet, auf dem Bewegung, Bewusstsein und menschliche Erfahrung zusammenfinden.
Viele von uns, die heute mit Berührung, freiem Tanz und präsenter Körperarbeit arbeiten, begegnen ihrem Einfluss noch immer – in der Art, wie wir zuhören, wie wir uns bewegen, wie wir Räume für Erfahrung öffnen. Oft geschieht das leise und selbstverständlich, ohne ihren Namen zu nennen, und doch wirkt dieser Impuls weiter.
Gabrielle Roth in Esalen – die frühen Jahre im Human Potential Movement
Gabrielle Roth kam Mitte der 1960er-Jahre als junge Tänzerin an das Esalen Institute. Dort wurde sie von Fritz Perls eingeladen, Bewegung in Gestalt-Therapiegruppen einzubringen. Esalen war zu dieser Zeit kein Ort fester Methoden, sondern ein lebendiger Erfahrungsraum des Human Potential Movements. Massage, Gestaltarbeit, Sensory Awareness, Bewegung und gemeinsames Leben durchdrangen sich. Lernen entstand aus Erfahrung, nicht aus Erklärung. In diesem Feld lebte und arbeitete Gabrielle Roth über mehrere Jahre. Sie war Massage Practitioner, leitete zeitweise das Healing Arts Department und erforschte gemeinsam mit anderen, wie menschliches Potenzial im Körper erfahrbar wird.
Von der Esalen Massage zum freien Tanz
In Esalen war es selbstverständlich, dass sich Praxisformen berührten. Gruppen massierten, hörten Musik, bewegten sich. Bewegung entstand aus dem Moment heraus, nicht aus Choreografie. Der Körper durfte antworten, ohne erklärt zu werden. Was später als die Five Rhythms sichtbar wurde, war kein Bruch mit der Körperarbeit, sondern eine Fortsetzung derselben Fragen: Wie hört der Körper zu? Wie organisiert sich Präsenz? Wie entsteht Ausdruck ohne Vorgabe?
Die Five Rhythms – eine verkörperte Bewegungspraxis
Die Five Rhythms sind keine Technik, sondern eine Landkarte gelebter Erfahrung. Gabrielle Roth beobachtete, dass Energie sich in wiederkehrenden Qualitäten ausdrückt – Flowing, Staccato, Chaos, Lyrical und Stillness. Diese Rhythmen wollen nicht gelernt, sondern erlebt werden. Sie sprechen denselben somatischen Raum an wie Berührung: Schwerkraft, Atem, Flow, Rhythmus, Präsenz.
Gabrielle Roth formulierte es schlicht:
“Energy moves in waves. Waves move in patterns. Patterns move in rhythms. A human being is just that – energy, waves, patterns, rhythms… Nothing more. Nothing less. A dance.”
Viele Praktizierende der Esalen Massage erkennen darin etwas Bekanntes: das Vertrauen, dass der Körper weiss, wie er sich organisiert, wenn wir ihm Raum geben.
Ellen Watson und Peggy Horan – Stimmen aus der Esalen Massage Geschichte
Die Verbindung zwischen Gabrielle Roth und der Esalen Massage lebt besonders in den Stimmen jener Lehrerinnen weiter, die diese Zeit miterlebt haben. Ellen Watson, langjährige Esalen-Massage-Lehrerin, beschreibt diese frühe Praxis sehr konkret:
“Gabrielle loved massage. She loved giving it and receiving it. She took all of our groups to the baths on the south side, and we massaged while different Five Rhythms musicians played.”
Massage, Musik und Bewegung bildeten ein gemeinsames Feld. Lernen geschah im Miteinander, im Spüren, im Dasein.
Auch Peggy Horan, eine der prägenden Frauen der Esalen-Massage-Entwicklung, benennt Gabrielle Roth als wichtige Wegbegleiterin:
“Of course I have to mention Gabrielle — how could I not — because she was my first massage teacher. Her presence influenced me. She gave me permission to be even more of who I am.”
Peggy’s Worte erinnern daran, dass Esalen Massage immer auch eine Schule menschlicher Entwicklung war – Lernen als Beziehung, nicht als Technik.
Wie Gabrielle Roths Arbeit weltweit weiterwirkte
Was Gabrielle Roth angestoßen hat, blieb nicht an einem Ort. Ihre Arbeit wirkte wie ein Funke, der übersprang – von Körper zu Körper, von Raum zu Raum. Aus den Five Rhythms entwickelte sich über Jahrzehnte eine weltweite Kultur des bewussten Tanzens, getragen von Lehrer:innen, die diesen Ansatz verkörpern und weiterentwickeln.
Lucia Horan – Five Rhythms und gelebte Weitergabe
Ein klarer Faden von Gabrielle Roths Arbeit führt zu Lucia Horan. Lucia ist zertifizierte Five-Rhythms-Lehrerin und erhielt eine langjährige, direkte Ausbildung bei Gabrielle Roth. Sie wuchs im Umfeld von Esalen auf; ihre Mutter, Peggy Horan, prägte als Esalen-Massage-Lehrerin über Jahrzehnte das Feld der somatischen Arbeit. Heute unterrichtet Lucia die Five Rhythms international als bewegte Praxis von Präsenz, Achtsamkeit und Bewusstsein – nicht als Technik, sondern als lebendigen Erfahrungsweg, der von Generation zu Generation weitergetragen wird.
Tanzaltar an einem Workshop von Lucia Horan in Esalen, 2019.
Soul Motion und Open Floor – neue Wege aus dem gleichen Feld
Aus demselben Feld des freien Tanzes entstanden weitere eigenständige Bewegungswege. Soul Motion wurde von Vincent Martinez-Grieco ins Leben gerufen, inspiriert unter anderem von den Five Rhythms und der Arbeit Gabrielle Roths. Zuza Engler gehört zu den prägenden Lehrerinnen dieses Feldes und hat wesentlich dazu beigetragen, Soul Motion als beziehungsorientierte, präsenzbasierte Tanzpraxis zu formen.
Ein weiterer Zweig dieser Bewegung ist Open Floor. Andrea Juhan ist Mitgründerin von Open Floor International. Gemeinsam mit anderen erfahrenen Lehrer:innen entwickelte sie eine zeitgenössische Bewegungspraxis, die unterschiedliche Conscious-Dance-Strömungen integriert und Menschen weltweit einlädt, Bewegung als Feld von Präsenz, Beziehung und Bewusstheit zu erforschen. Open Floor ist keine Fortsetzung der Five Rhythms, sondern ein Ausdruck desselben humanistischen Grundimpulses.
Michael Molin-Skelton unterrichtet sowohl Open Floor als auch Soul Motion und bringt jahrzehntelange Erfahrung in bewusster Bewegung mit, geprägt unter anderem durch seine frühe Ausbildung in den Five Rhythms. In seiner Arbeit wird der Tanzraum zu einem Ritualraum – Bewegung als verkörpertes Gebet, in dem Präsenz, Intention und gemeinsamer Sinn bewusst kultiviert werden. Indem er Ritual in den Tanz integriert, lädt er dazu ein, Bewegung nicht nur als Ausdruck, sondern als geteilte, transformierende Praxis von Bewusstheit und Verbundenheit zu erfahren
Tanzaltar, “Coming Home” Workshop in Luzern mit Michael Molin-Skelton, 2024
Warum dieses Erbe heute lebendig ist – Esalen Massage und freies Tanzen
Diese Wellen wirken bis heute. In vielen Ländern öffnen Menschen Räume für freies Tanzen – nicht als Performance, sondern als Erfahrungsweg. Bewegung wird genutzt, um sich im eigenen Körper zu verankern, innere Prozesse in Gang zu bringen und Beziehung aus Präsenz heraus zu gestalten.
Auch im heutigen Esalen-Massage-Unterricht ist freies Tanzen für viele Lehrerinnen ein selbstverständlicher Bestandteil. Bewusste Bewegung hilft Studierenden, mit sich selbst in Kontakt zu kommen, bevor sie andere berühren. Sie können spüren, was sie innerlich bewegt, Rhythmus und Flow im eigenen Körper erfahren und Stillness als wachen Zustand kennenlernen. Achtsamkeit entsteht nicht durch Erklärung, sondern durch gelebte Erfahrung.
Aus der Perspektive der Esalen Massage lässt sich dieses Erbe klar benennen. Es ist das Vertrauen in den Menschen als fühlendes, lernendes Wesen. In Hände, die zuhören. In Bewegungen, die nicht vorgegeben sind. In Pausen, die Raum lassen. Der oft zitierte „Tanz um den Massagetisch“ beschreibt keine Technik, sondern eine Haltung: wach, präsent und dem Leben zugewandt.
Ein Unterrichtsmorgen am Esalen Massage Workshop in Kiental.
Gemeinsam bewegen, berühren und feiern – im Esalen Massage Global Village
Diese Kultur des Tanzens, der bewussten Bewegung und der verkörperten Präsenz lebt weiter – auch im Esalen Massage Global Village (EMGV). Beim internationalen EMGV-Treffen im Juli 2026 in der Schweiz kommen Menschen aus aller Welt zusammen, um genau dieses Zusammenspiel zu feiern: Tanz und Stillness, Gemeinschaft und Berührung, persönliche Erfahrung und geteilte Praxis.
Du bist herzlich eingeladen, mehr über das Esalen Massage Global Village zu erfahren und Teil dieser lebendigen Gemeinschaft zu werden.
Die Türen stehen offen – für Bewegung, für Begegnung und für Berührung, die verbindet: → Esalen Massage Global Village 2026
English Version:
Gabrielle Roth at Esalen – The Origins of the Five Rhythms and Somatic Movement
“The fastest way to still the mind is to move the body.”
— Gabrielle Roth
Today, on February 4, 2026, Gabrielle Roth would have turned 85. As the founder of the Five Rhythms, she opened a path where movement, awareness, and human experience meet.
Many of us who work today with touch, somatic movement, and embodied presence still encounter her influence. It shows in how we listen, how we move, how we open spaces for experience. Often this happens quietly and without naming her. And yet her impulse continues to move through bodies, practices, and generations.
Gabrielle Roth at Esalen – the early years of the Human Potential Movement
In the mid-1960s, Gabrielle Roth arrived at the Esalen Institute as a young dancer. She was invited by Fritz Perls to bring movement into Gestalt therapy groups. At that time, Esalen was not a place of fixed methods, but a living laboratory of experience within the Human Potential Movement. Massage, Gestalt work, Sensory Awareness, movement, and community flowed into one another. Learning arose from direct experience, not from explanation.
Within this field, Gabrielle Roth lived and worked for several years. She practiced massage, served for a time as Director of the Healing Arts Department, and explored—together with others—how human potential could be accessed and expressed through the body.
From Esalen Massage to conscious dance
At Esalen, it was natural for practices to overlap. Groups massaged, listened to music, moved. Movement arose from the moment, not from choreography. The body was allowed to respond without being analyzed.
What eventually manifested as the Five Rhythms was not a departure from bodywork, but rather an evolution of the same fundamental inquiry: How does the body listen? How does presence organize itself? How does expression arise without instruction?
The Five Rhythms – a lived movement practice
The Five Rhythms are not a technique. They are a map of lived experience. Gabrielle Roth observed that energy expresses itself through recurring qualities—Flowing, Staccato, Chaos, Lyrical, and Stillness. These rhythms are not meant to be learned, but to be lived.
They speak to the same somatic ground as touch: weight, breath, timing, presence.
Gabrielle Roth put it simply:
“Energy moves in waves. Waves move in patterns. Patterns move in rhythms. A human being is just that – energy, waves, patterns, rhythms… Nothing more. Nothing less. A dance.”
Many practitioners of Esalen Massage recognize something familiar here: a trust that the body knows how to organize itself when given space.
Ellen Watson and Peggy Horan – voices from Esalen Massage history
The connection between Gabrielle Roth and Esalen Massage lives on especially through the voices of women who were present during those early years. Ellen Watson, long-time Esalen Massage teacher, recalls the practice vividly:
“Gabrielle loved massage. She loved giving it and receiving it. She took all of our groups to the baths on the south side, and we massaged while different Five Rhythms musicians played.”
Massage, music, and movement formed a single field. Learning happened through shared experience—through sensing, being together, and staying present.
Peggy Horan, one of the formative figures in the development of Esalen Massage, also names Gabrielle Roth as an important influence:
“Of course I have to mention Gabrielle — how could I not — because she was my first massage teacher. Her presence influenced me. She gave me permission to be even more of who I am.”
Her words remind us that Esalen Massage has always been a school of human development—learning as relationship, not as technique.
How Gabrielle Roth’s work continued around the world
What Gabrielle Roth initiated did not remain in one place. Her work moved like a spark—from body to body, from room to room. Over the decades, the Five Rhythms grew into a global culture of conscious dance, carried by teachers who embody and further develop this approach.
Lucia Horan – Five Rhythms and living transmission
One clear thread leads to Lucia Horan. Lucia is a certified Five Rhythms teacher and received long-term, direct training from Gabrielle Roth. She grew up within the Esalen environment; her mother, Peggy Horan, shaped the field of somatic work there for decades. Today, Lucia teaches the Five Rhythms internationally as a movement practice of presence, awareness, and consciousness—not as a technique, but as a living experiential path passed from generation to generation.
Soul Motion and Open Floor – new expressions from the same field
From the same field of conscious dance, other independent movement practices emerged. Soul Motion, founded by Vincent Martinez-Grieco, was inspired in part by the Five Rhythms and Gabrielle Roth’s work. Zuza Engler has been one of the influential teachers shaping Soul Motion as a relational, presence-based dance practice.
Another branch of this movement is Open Floor. Andrea Juhan is a co-founder of Open Floor International. Together with other experienced teachers, she developed a contemporary movement practice that integrates different conscious dance lineages and invites people worldwide to explore movement as a field of presence, relationship, and awareness. Open Floor is not a continuation of the Five Rhythms, but an expression of the same humanistic impulse.
Michael Molin-Skelton teaches both Open Floor and Soul Motion and has been shaped by decades of experience in conscious movement, including early training in the Five Rhythms. In his work, dance becomes a ritual space—movement as embodied prayer—where presence, intention, and collective meaning are consciously cultivated. By bringing ritual into the dance room, he invites participants to experience movement not as expression alone, but as a shared, transformative practice rooted in awareness and connection.
Why this legacy is alive today – Esalen Massage and conscious dance
These waves continue to move. In many countries, people open spaces for conscious dance—not as performance, but as a path of experience. Movement is used to anchor in the body, to allow inner processes to unfold, and to shape relationship through presence.
Within Esalen Massage training today, conscious dance is still used by many teachers as part of the learning process. Conscious dance helps students connect with themselves before touching others. They can sense what is moving inside, experience rhythm and flow in their own bodies, and encounter stillness as an alert, awake state. Mindfulness is not explained—it is embodied.
From the perspective of Esalen Massage, this legacy can be named clearly: trust in the human being as a sensing, learning body. In hands that listen. In movements that are not imposed. In pauses that create space. The often-invoked “dance around the massage table” does not describe a technique, but a way of being—awake, present, and oriented toward life.
Moving, Touching, and Celebrating Together – at the Esalen Massage Global Village
This culture of dance, conscious movement, and embodied presence continues to live on in the Esalen Massage Global Village (EMGV). At the international EMGV gathering in July 2026 in Switzerland, people from around the world will come together to celebrate this very interplay: dance and stillness, community and touch, personal experience and shared practice.
You are warmly invited to learn more about the Esalen Massage Global Village and to become part of this living community. The doors are open—for movement, for meeting, and for touch that connects. → Esalen Massage Global Village 2026