Wenn sich Gewebe hölzern anfühlt

working on the back with deep tissue unwinding

Manchmal begegnet mir in der Massagepraxis ein Bereich, der sich unter den Händen hölzern anfühlt. Fest, wenig nachgiebig, schwer zu unterscheiden. Ich spüre eine Oberfläche und einen Widerstand, doch die vertrauten Konturen wirken wie verwischt. Ist das Muskel, Sehne oder schon Knochen?

Mir begegnet dieses Gefühl gelegentlich am Rücken, rund um die Schulterblätter. Es macht mich neugierig. Wie kann ich hier Kontakt aufnehmen? Was verändert sich, wenn ich meiner Berührung Zeit gebe und auf die Antwort warte?

Im folgenden Film gebe ich einen Einblick in meine Arbeit mit «Unwinding, Flow und Stille in der Massage». Ich beschreibe dieses Zusammenspiel als einen Tanz zu zweit: Bewegung begleiten, Ruhe zulassen und offenbleiben für das, was im Kontakt entsteht.

Den tragenden Strukturen begegnen

Am Rücken führen mich die Ränder der Schulterblätter durch eine Landschaft aus weicheren und festeren Strukturen. Sie geben meinen Händen Orientierung. Wenn sich ein Bereich hölzern anfühlt, nehme ich mir Zeit, diese Übergänge genauer zu erkunden.

Knochen ist lebendes Gewebe. Gemeinsam mit Muskeln, Sehnen und weiteren Bindegewebsstrukturen gibt er dem Körper Halt und ermöglicht Bewegung. Unter meinen Händen begegnen sich diese Strukturen; Druck wird auch auf benachbarte und darunterliegende Gewebe übertragen.

Das hölzerne Gefühl verrät mir deshalb noch nicht, welches Gewebe ich gerade wahrnehme oder weshalb es sich so fest anfühlt. Es weckt meine Neugier: Wie kann ich meine Berührung so gestalten, dass ich die feinen Unterschiede wieder deutlicher spüre? Wie lassen sich die einzelnen Gewebestrukturen wieder besser voneinander differenzieren?

Druck geben und wahrnehmend bleiben

Kompression bedeutet für mich einen ruhigen, klaren Kontakt. Ich arbeite flächig und wähle den Druck so, dass ich weiterhin feine Veränderungen wahrnehmen kann. Der Kontakt bleibt angenehm und wird mit der empfangenden Person abgestimmt.

Dabei kann ich verweilen oder den Druck mit einer kleinen, behutsamen Bewegung verbinden. Meine Hände bieten einen Impuls an und bleiben offen für das, was sich zeigt.

Ich gebe dem Kontakt Zeit und achte auf Atem, Bewegung und die Rückmeldung der Person. Auch meine Hände dürfen dabei weicher werden, ohne ihre Klarheit zu verlieren.

unwinding in massage and deep tissue around the spine

Nachlassen und sich anvertrauen

Besonders interessiert mich der Übergang, wenn ich die Kompression langsam vermindere. Meine Hände bleiben am Körper, während der Druck leichter wird. Auch ich lasse nach und erlaube mir, einen Moment lang nichts weiter vorzugeben und mich dem Spüren zu überlassen.

Manchmal wird eine Bewegung spürbar. Ein Drehen, ein leises Nachgeben, eine Richtung, die sich erst im Folgen erschliesst. Ich gebe Halt und lasse mich mitnehmen. Vielleicht entfaltet sich die Bewegung weiter, vielleicht mündet sie in Ruhe.

Darin liegt für mich ein Moment der Hingabe. Ich muss noch nicht wissen, wohin die Bewegung führt oder welche Strukturen daran beteiligt sind. Das spürbare Nachgeben kann mit Veränderungen der Muskelspannung, der Bewegung oder unserer Wahrnehmung zusammenhängen. Ich bleibe aufmerksam für das, was zwischen meinen Händen und dem Körper geschieht, und gebe der Antwort Zeit.

Unwinding, Flow und Stille

Solche spontan auftauchenden Bewegungen gehören zu dem, was ich Unwinding in der Massage nenne.

Mit den langen, verbindenden Streichungen der Esalen Massage beziehe ich nach dem lokalen Erkunden wieder den ganzen Körper ein. Danach darf eine Pause entstehen. Bewegung und Stille wechseln sich ab; beides bekommt Aufmerksamkeit.

Nicht immer wird eine Veränderung spürbar. Auch die Ruhe hat ihren Platz. Diese Offenheit macht die Arbeit für mich lebendig.

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When tissue feels like wood

Every so often in my Esalen® Massage practice, I encounter an area that feels almost like wood beneath my hands. Firm and unyielding, with little to help me distinguish one structure from the next. The familiar landmarks seem to have been rubbed out. Is that muscle, tendon or bone?

I notice this sometimes around the shoulder blades. Rather than pressing harder, I become curious about how I’m touching. What happens if I change my approach, take my time and wait?

The short film below offers a glimpse into how I work with unwinding, flow and stillness. For me, it’s a dance: following a movement, pausing when it comes to rest, and letting the next moment unfold.

I’m speaking Swiss German in the film. You can select English subtitles in the video settings.

Watch: → Unwinding, Flow and Stillness in Massage

Finding my way through touch

The edges of the shoulder blades give my hands a reference point as I explore the back. There are changes in texture and firmness, places where one structure gives way to another. When these distinctions are difficult to feel, I slow down and spend more time finding my way.

Bone is living tissue. Together with muscles, tendons and other connective tissues, it supports us and makes movement possible. As I work, pressure is transmitted through several layers and into the surrounding tissues.

So that wooden quality doesn’t tell me exactly what I’m touching, or why it feels so firm. It gives me something to explore. How could I adapt my touch to pick up finer differences? Can I begin to distinguish the individual structures more clearly?

Staying sensitive under pressure

When I use compression, I begin with broad, steady contact. I apply only as much pressure as allows me to remain sensitive to small changes, checking in with the person on the table and adjusting as needed.

I might hold that contact or introduce a small, gentle movement. Either way, I’m offering a starting point and waiting to see what follows.

I pay attention to breathing, movement and feedback. There is time to respond. My hands can soften without losing their steadiness.

Letting the pressure ease

The moment I find particularly intriguing comes as I gradually reduce the pressure. My hands stay in place, but the quality of the contact changes. I let go a little, too, setting aside the urge to direct what happens next.

Sometimes I feel the beginnings of a movement: a slight turn, a subtle yielding. Its direction becomes clear only as I follow. I keep offering support while allowing myself to be led. The movement may grow, or it may come quietly to rest.

There is something of surrender in this. I don’t need to know yet where the movement is going or exactly which structures are involved. What feels like yielding beneath my hands may involve changes in muscle tension, movement or perception. I stay with what I can feel and give it time.

Bringing it all together

These movements, which emerge without being consciously directed, are part of what I call unwinding in massage.

After working with one area, I return to the long, flowing strokes of Esalen Massage. They bring my attention back to the whole body and connect the more focused work with the rest of the session. Then there may be a pause, a chance to feel what remains as movement settles.

Sometimes there is no discernible change. There is room for that, too. Being able to stay curious, without needing a particular outcome, is part of what keeps this work alive for me.

Learning together as a community

Within the Esalen Massage Schweiz network, we share experience, learn from one another, and explore new possibilities in touch. Our continuing education courses also welcome massage practitioners from other approaches..

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Lili Imboden, 31 October 2026